Plattform verlangt sofortige Einstellung der Dublin-Abschiebungen nach Kroatien!

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Die Schüler_innen im Wiener Ursulinen-Gymnasium forderten, dass ihr Schulkollege Nijteh bleiben darf. Foto: Ruth Lesigang

Die „Plattform für eine menschliche Asylpolitik“ kritisiert die unmenschliche Abschiebepraxis der österreichischen Behörden auf das Schärfste. Wir fordern: Lasst die Menschen bleiben! #LetThemStay #LasstSieBleiben

Hier geht's zur Online-Petition! Und hier zur Liste mit den dokumentierten Fällen von Dublin-Abschiebungen.

Aktuell sind in Österreich etwa 1.700 Menschen von Dublin-Abschiebungen nach Kroatien betroffen – 200 wurden bereits abgeschoben (Stand: Ende September). Es ist völlig inakzeptabel, dass Menschen, die sich bestens integriert haben, von heute auf morgen abgeschoben werden. Es empört uns besonders, dass Kinder, die in die Schule gehen, einfach aus ihrem Leben und Freundeskreis herausgerissen werden.

Wir protestieren auf das Schärfste! Wir verlangen, dass die österreichische Bundesregierung unverzüglich die Abschiebungen aussetzt und diesen Menschen hier ein faires Asylverfahren ermöglicht wird. Die Betroffenen müssten – rein rechtlich gesehen – gar nicht abgeschoben werden: Die Regierung könnte sich einfach dafür zuständig erklären und die „Fälle“ übernehmen!

Die Flüchtlinge sind im Winter ganz legal über die „Balkan-Route“ von den staatlichen Behörden nach Österreich gebracht worden. Österreich hat den Ländern entlang dieser Route zugesichert, dass sie diese Schutzsuchenden übernehmen wird.

Im Nachhinein bezieht sich die Regierung auf das „Dublin-Abkommen“, wonach jener EU-Staat für das Asylverfahren zuständig ist, in der die Flüchtlinge das erste Mal europäischen Boden betreten haben. Das Innenministerium will offenbar jene Menschen loswerden, deren 6-Monatsfrist abläuft, denn nach dieser Frist wäre Österreich automatisch für das Verfahren zuständig. Diese hinterhältige Politik auf dem Rücken von Menschen, die alles verloren haben, ist schäbig und muss beendet werden!

Wir bereiten Widerstand vor und versuchen Initiativen zu vernetzen. Bitte kontaktiert uns, wenn ihr von Menschen gehört habt, die möglicherweise betroffen sein könnten. Einige „Fälle“ wurden bereits dokumentiert:

  • Die Initiative „Border Crossing Spielfeld“ berichtete unter anderem von einem 11-jährigen Schüler aus dem Mürztal, der mit seiner Familie in den frühen Morgenstunden aus dem Bett gerissen und nach Kroatien abgeschoben wurde.
  • In Kumberg in der Steiermark stellte sich ein ganzer Ort quer und verhinderte vorerst die Abschiebung der bestens integrierten Familie Hamaazeez aus dem Irak. [zur Petition]
  • In Wien organisierten Schüler_innen inspirierenden Widerstand gegen die Abschiebung ihres Freundes Nijteh aus Aleppo, den die Behörden ebenfalls aus seinem Freundeskreis rissen und nach Zagreb schafften. [Appell der Betreuerin]
  • In Kalwang in der Steiermark droht Mariam und Tagleb aus Syrien die Abschiebung. Beide sind inzwischen fester Bestandteil des Ortes und der Familie Dokter geworden. [zur Petition]
  • In Mistelbach wurde bereits eine Person trotz Beschwerde gegen den Bescheid nach Zagreb abgeschoben, 12 weitere Menschen sind von Abschiebung unmittelbar bedroht. Flüchtlingsinitiativen wie Plattform Flüchtlingshilfe Mistelbach und Bewegung Mitmensch organisieren Widerstand dagegen.
  • In Graz hat sich die irakische Familie A. ein neues Zuhause aufgebaut. Jetzt droht die Abschiebung nach Kroatien und zusätzlich die Trennung der beiden ältesten Kinder (20 und 22 J.) vom Rest der Familie, weil ihre Fälle getrennt behandelt werden.
  • … Hier geht es zur vollständigen Liste mit den dokumentierten Fällen von Dublin-Abschiebungen