Schülerin aus Mureck droht Abschiebung: „Das ist einfach nicht in Ordnung“

Foto: Plattform Willkommenskultur Mureck
Foto: Plattform Willkommenskultur Mureck

Frühmorgens am Samstag, 5. November, holte die Polizei die 19-jährige Schülerin Ghufran aus Mureck in der Südsteiermark ab. Sie soll nach Kroatien abgeschoben werden. Sie hat ganz alleine die gefährliche Flucht aus dem Irak nach Österreich überlebt. Hier hat sie neue Freund_innen gefunden und ging zur Schule. Wir veröffentlichen Ghufrans Geschichte, zusammengefasst von der Plattform Willkommenskultur in Mureck.

Ghufran ist gerade mal neunzehn. Trotzdem hat sie es vom Irak ganz alleine über die Balkanroute bis nach Österreich geschafft. Seit Ende Dezember 2015 lebt sie in einer kleinen südsteirischen Gemeinde, wo sich viele Jugendlichen in ihrem Alter wahrscheinlich fadisieren würden. Nicht so Ghufran. Sie hatte Glück.

Eine engagierte Direktorin startete in der örtlichen Berufsbildenden Höheren Schule eine Übergangsklasse für jugendliche Schutzsuchende aus den umliegenden Gemeinden. Schul- und vor allem Sprachunterricht, an dem die herzliche junge Frau mit dem liebevollen Lächeln mit großer Begeisterung teilnimmt. „Anfangs gab es gewisse Berührungsängste mit den regulären SchülerInnen“, schildert die Französischprofessorin, „aber wir haben den Jugendlichen einfach Zeit gelassen. Das wird schon…“ Und es wurde… Ghufran verständigt sich nach fünf Monaten Schulbesuch locker auf Deutsch und fand in der Schule nicht nur FreundInnen, sondern auch ihre große Liebe.

Luca ist Südsteirer. Schüler, wie Ghufran. Ein überlegter und freundlicher junger Mensch, der einfach nicht begreifen kann, dass seine Freundin nun nach Zagreb verbannt werden soll, wie ihr vor drei Wochen per Bescheid mitgeteilt wurde. In Österreich bestünde „kein Privat- und Familienleben“. Bei ihrer Einvernahme in Traiskirchen, so Ghufran, zu der sogar ihre Lehrerin, die sie sehr ins Herz geschlossen hat, persönlich mitgekommen sei, hätte sie natürlich auch von Luca erzählt, aber die Referentin habe sie dabei nicht einmal angesehen.

Luca versteht die Welt nicht mehr: „Sie ist eine der wichtigsten Personen in meinem Leben. Sie ist ein wichtiger Teil unserer Familie und unseres Lebens geworden und dann soll sie einfach so wieder in eine anderes Land wo sie niemanden kennt, die Sprache nicht versteht und wenig Perspektiven auf ein Zukunft hat? Das ist für mich einfach nicht in Ordnung.“

Lucas Mutter Waltraud ist entsetzt, dass das „tolle Mädchen“, das zu einem Teil der Familie geworden ist, nun bei den Behördenterminen einfach so abgefertigt wird. „Dieses Mädchen hat hier ein neues Leben angefangen, sie lernt Deutsch, ist gut in die Schule integriert und hat meinen Sohn als ihren Freund, und hat uns als Familie. All das sind Dinge, die ein junger Mensch braucht, um aus sich etwas zu machen. Diese Dinge wurden bis jetzt nicht anerkannt, es wird ihr einfach weggenommen. Es wird ihr erneut ein unschlagbares Leid zugefügt und auch uns. Wer kann solche Entscheidungen verantworten?“

Die Plattform Willkommenskultur ruft zu einer Mahnwache am Sonntag, 6. November um 17:30 Uhr vor der HLW/BFW Mureck (Süßenberger Straße 27, 8480 Mureck) auf. Ghufran befindet sich derzeit in Schubhaft in der Rößauer Lände. Sie soll am Montag, 7. November über den Flughafen Schwechat abgeschoben werden.